Die Wurzeln des Einlippenbohrens liegen in den frühen Verfahren des Kanonenbohrens. Bereits im 18. und 19. Jahrhundert bestand der Bedarf, lange und möglichst gerade Bohrungen für Gewehr- und Kanonenläufe herzustellen.
Zum Einsatz kamen damals einseitig schneidende Werkzeuge, die sich selbst führten – ein Prinzip, das später zum Einlippenbohrer weiterentwickelt wurde. Diese frühen Verfahren waren langsam, ermöglichten jedoch erstmals außergewöhnlich gerade Bohrungen. Für die damalige Zeit war das ein technologischer Durchbruch.
Der eigentliche Fortschritt des Einlippenbohrens erfolgte nach dem Zweiten Weltkrieg. Mehrere Entwicklungen kamen zusammen:
- Hochdruck-Kühlschmierstoffe wurden verfügbar
- Hartmetall ließ sich industriell zuverlässig einsetzen
- Die Industrie verlangte nach immer präziseren Tiefbohrungen
In dieser Phase entstand der moderne Einlippen-Tieflochbohrer mit Hartmetallkopf, wie er bis heute eingesetzt wird.
Ein Einlippen-Tieflochbohrer (ELB) ist ein einschneidiges, selbstführendes Tiefbohrwerkzeug, das für das präzise Bohren sehr tiefer, gerader und maßhaltiger Bohrungen entwickelt wurde. Er verfügt über eine Innen- und eine Außenschneide, Führungsleisten zur Stabilisierung im Bohrloch sowie eine innere Kühlmittelzufuhr.
Über diese Zuführung gelangt der Hochdruck-Kühlschmierstoff direkt an die Schneide. Die entstehenden Späne werden anschließend gemeinsam mit dem Kühlschmierstoff über die V-förmige Spannut aus dem Bohrloch abgeführt.
Zum Anbohren benötigt ein Einlippenbohrer eine definierte Führung, beispielsweise in Form einer Bohrbuchse oder einer Pilotbohrung.

